Frische Kräuter verleihen jedem Gericht das gewisse Etwas und stammen idealerweise direkt aus dem eigenen Garten, vom Balkon oder von der Fensterbank. Dafür muss man weder Profikoch noch erfahrener Gärtner sein.
Küchen- und Heilkräuter sind pflegeleicht, benötigen nur wenig Platz und lassen sich mit geringem Aufwand erfolgreich anbauen.
In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie in fünf einfachen Schritten Ihren eigenen Kräutergarten anlegen und schon bald frische Kräuter selbst ernten können.
1. Die Kräuterauswahl
Bevor Sie Ihren Kräutergarten anlegen, sollten Sie sich überlegen, welche Kräuter Sie anbauen möchten.
Neben beliebten Klassikern wie Petersilie und Dill erfreuen sich auch mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian oder Oregano großer Beliebtheit.
Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Arten teilweise deutlich in ihren Ansprüchen an Standort und Boden.
Als Faustregel gilt: Je sonniger ein Kraut stehen möchte, desto weniger nährstoffreich sollte der Boden sein. Viele mediterrane Kräuter gedeihen besonders gut in trockenen, durchlässigen und eher nährstoffarmen Böden. Schattenliebende Kräuter bevorzugen hingegen humusreiche, feuchte Standorte mit einer guten Nährstoffversorgung.
In den meisten Gärten sind bereits ausreichend Nährstoffe vorhanden. Dennoch lassen sich Kräuter hinsichtlich ihrer Standort- und Nährstoffansprüche grob in vier Kategorien einteilen:
A. Wenige Nährstoffe und viel Sonne
z.B.: Rosmarin, Thymian, Salbei, Oregano, Lavendel
B. Einige Nährstoffe und etwas Sonne
z.B.: Dill, Koriander, Melisse, Minze
C.Humus, Halbschatten, leicht feucht
z.B.: Estragon, Majoran, Schnittlauch, Kresse, Petersilie
D. Humus, viel Schatten, sehr feucht
z.B.: Bärlauch, Waldmeister
2. Der Standort
Ob im Gartenbeet, im Balkonkasten oder auf der Fensterbank: Frische Kräuter lassen sich nahezu überall anbauen.
Damit die Pflanzen optimal gedeihen, sollte der Boden jedoch auf ihre jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt werden.
Als Grundlage eignet sich in den meisten Fällen handelsübliche Blumenerde, die je nach Kräuterart angepasst werden kann.
Entfernen Sie zunächst das Unkraut und lockern Sie die Erde gründlich auf. Anschließend können Sie das Substrat mit Sand oder Kompost anreichern, um die gewünschte Struktur und den passenden Nährstoffgehalt zu erzielen.
Besonders wichtig ist eine gute Durchlässigkeit des Bodens: Staunässe und schwere, lehmige Erde können das Wachstum vieler Kräuter erheblich beeinträchtigen.
Ideal ist ein pH-Wert von mindestens 6,5. Liegt dieser darunter, kann eine gezielte Kalkgabe helfen, den Boden zu verbessern.
Wer seinen Kräutergarten im Freien anlegt, kann die Beete zusätzlich optisch aufwerten.
Einfassungen aus Buchsbaum, Schnittlauch oder anderen niedrig wachsenden Pflanzen sorgen für eine ansprechende Struktur, während Findlinge oder Klinkersteine klare Beetgrenzen schaffen.
Da Kräuter unterschiedliche Ansprüche an Standort und Boden haben und sich manche Arten gegenseitig im Wachstum beeinträchtigen können, empfiehlt es sich, mehrere Beete oder Pflanzbereiche anzulegen.
Wege zwischen den Beeten lassen sich einfach und dekorativ mit Kies oder Rindenmulch gestalten.
Auch ohne Garten müssen Sie nicht auf frische Kräuter verzichten.
Für Balkon, Terrasse oder Fensterbank eignen sich besonders Tontöpfe, da sie Wärme und Feuchtigkeit gut speichern und so ein günstiges Wachstumsklima schaffen.
Die Gefäße sollten einen Durchmesser von mindestens 14 Zentimetern besitzen und über Abflusslöcher verfügen, damit überschüssiges Wasser problemlos ablaufen kann.
Untersetzer und eine Drainageschicht aus Kies oder Blähton helfen zusätzlich, Staunässe zu vermeiden.
Auf einem Balkon herrschen allerdings andere Bedingungen als im Garten.
Die Pflanzen sind häufig stärkerem Wind ausgesetzt und erhalten je nach Ausrichtung weniger Sonnenlicht oder Niederschlag.
Deshalb empfiehlt es sich, robuste und kompakt wachsende Kräuter auszuwählen sowie regelmäßig zu gießen.
Besondere Ansprüche stellt beispielsweise Basilikum. Da es sich nicht mit allen Kräutern verträgt und andere Standortbedingungen bevorzugt, sollte es möglichst in einem eigenen Topf kultiviert werden.
Basilikum liebt Wärme und eine gleichmäßige Bodenfeuchte, verträgt jedoch weder pralle Mittagssonne noch anhaltenden Regen besonders gut. Ein geschützter, heller Standort ist daher ideal.
Wer nur wenig Platz zur Verfügung hat, kann auf fertig abgestimmte Kräutermischungen zurückgreifen. Sie ermöglichen auch auf kleinstem Raum den Anbau einer vielseitigen Auswahl an Küchenkräutern und bieten einen unkomplizierten Einstieg in den eigenen Kräutergarten.
3. Die Aussaat
Der ideale Aussaatzeitpunkt hängt von der jeweiligen Kräuterart ab.
Einjährige Kräuter werden meist ab Mai direkt ins Beet oder in Pflanzgefäße gesät.
Viele mehrjährige Arten können im Herbst ausgesät werden, lassen sich jedoch ebenso problemlos im Frühjahr als Jungpflanzen setzen. Wer bereits etablierte Kräuter besitzt, kann einige Arten zudem durch Stecklinge vermehren.
Dazu werden im Spätsommer mehrere Zentimeter lange Triebspitzen abgeschnitten und in Anzuchterde gesteckt.
Bei gleichmäßiger Feuchtigkeit bilden sich nach einiger Zeit neue Wurzeln.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen Kräuter vor allem in der Anwachsphase.
Sämlinge und frisch gesetzte Pflanzen sollten regelmäßig gegossen werden, bis sie sich gut etabliert haben. Später kommen viele Kräuter mit deutlich weniger Pflege aus.
Bei der Pflanzung sollten Kräuter nicht nur nach ihren Standortansprüchen gruppiert werden.
Auch die Verträglichkeit der einzelnen Arten spielt eine wichtige Rolle.
Einige Kräuter können sich gegenseitig im Wachstum beeinträchtigen und sollten daher möglichst nicht direkt nebeneinander stehen.
Als ungünstige Nachbarschaften gelten beispielsweise:
- Dill und Estragon
- Kamille und Minze
- Thymian und Majoran
- Minze und Salbei
- Fenchel und Kümmel
- Basilikum und Melisse
Eine besondere Rolle nimmt die Zitronenmelisse ein.
Zwar harmoniert sie nicht optimal mit Basilikum, fördert jedoch das Wachstum vieler anderer Kräuter und wird zudem seit Langem als Heilpflanze für ihre beruhigenden Eigenschaften geschätzt.
Achten Sie bei der Beetplanung außerdem auf die spätere Wuchshöhe der Pflanzen.
Niedrig wachsende Kräuter sollten am Rand platziert werden, während größere Arten ihren Platz eher im Zentrum oder Hintergrund des Beetes finden.
So bleiben alle Pflanzen gut erreichbar, erhalten ausreichend Licht und konkurrieren weniger miteinander.
4. Die Kräutergarten-Pflege
Mit der richtigen Pflege bleiben Kräuter über viele Monate hinweg gesund, aromatisch und ertragreich.
Regelmäßiges Ernten fördert das Wachstum und regt viele Arten zu einem buschigen Neuaustrieb an. Zusätzlich empfiehlt es sich, die Pflanzen von Zeit zu Zeit zurückzuschneiden.
Für einen sauberen Schnitt eignet sich eine scharfe Garten- oder Kräuterschere besonders gut.
Stark genutzte Kräuter wie Petersilie oder Basilikum profitieren während der Wachstumsphase von einer gelegentlichen Nährstoffgabe.
Eine leichte Düngung alle drei bis vier Wochen ist in der Regel ausreichend. Hierfür kann handelsüblicher Blumendünger verwendet werden, der entsprechend den Herstellerangaben verdünnt wird.
Da einige Kräuterarten nur eine begrenzte Lebensdauer besitzen, sollten sie regelmäßig nachgesät oder durch neue Pflanzen ersetzt werden.
Durch ihre ätherischen Öle sind viele Kräuter vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber Schädlingen.
Kommt es dennoch zu einem Befall, reichen oft einfache und umweltschonende Maßnahmen aus.
Entfernen Sie betroffene Pflanzenteile und spülen Sie die Kräuter vorsichtig mit Wasser ab.
Eine Sprühflasche erleichtert dabei die gezielte Behandlung.
Ebenso wichtig ist die regelmäßige Bodenpflege.
Lockern Sie die Erdoberfläche gelegentlich auf, damit Luft und Wasser besser eindringen können.
Besonders bei verdichteten oder verkrusteten Böden fördert dies ein gesundes Wurzelwachstum und verbessert die Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen und Feuchtigkeit.
5. Die Ernte
Nach der erfolgreichen Pflege folgt der schönste Teil: die Ernte.
Für ein besonders intensives Aroma empfiehlt es sich, Kräuter an trockenen, sonnigen Tagen zu ernten.
Die meisten Arten enthalten am Vormittag den höchsten Anteil an ätherischen Ölen und eignen sich daher besonders gut für die frische Verwendung in der Küche.
Oft fällt die Ernte jedoch so reichlich aus, dass nicht alle Kräuter sofort verbraucht werden können.
In diesem Fall bieten sich verschiedene Möglichkeiten zur Konservierung an. Viele Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Salbei oder Oregano lassen sich problemlos trocknen.
Bündeln Sie die Triebe dazu locker und hängen Sie sie an einem trockenen, gut belüfteten Ort auf.
Nach dem Trocknen sollten die Kräuter lichtgeschützt und luftdicht aufbewahrt werden, damit Aroma und Qualität möglichst lange erhalten bleiben.
Alternativ können Kräuter auch in Öl eingelegt werden.
Besonders mediterrane Arten wie Rosmarin oder Thymian eignen sich hierfür hervorragend.
Zusammen mit Gewürzen wie Knoblauch oder Pfeffer entstehen aromatische Kräuteröle, die zahlreichen Gerichten eine besondere Note verleihen.
Empfindlichere Kräuter wie Petersilie, Schnittlauch oder Dill behalten ihr Aroma dagegen besser, wenn sie eingefroren werden.
Fein gehackt und portionsweise in Eiswürfelformen eingefroren, stehen sie jederzeit für die schnelle Verwendung in der Küche bereit.
So können Sie die Ernte Ihres Kräutergartens auch lange nach der Saison genießen und haben frische Aromen das ganze Jahr über griffbereit.
Wenn Sie jetzt Lust auf einen eigenen Kräutergarten bekommen haben, ist der beste Zeitpunkt zum Starten genau jetzt.
Schon mit wenig Platz und überschaubarem Aufwand können Sie sich schon bald über frische Kräuter aus eigenem Anbau freuen.
Mit der richtigen Planung und Pflege entsteht im Handumdrehen eine grüne Oase im Garten oder auf dem Balkon, die Ihre Küche bereichert und das ganze Jahr über für aromatische Genussmomente sorgt.
Probieren Sie es aus und entdecken Sie, wie einfach der Weg zum eigenen Kräutergarten sein kann!














